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13Aug/103

Google Street View – “German Angst”

Google Street View

Google Street View

Deutschland dreht in diesen Tagen ja so langsam völlig durch. Ein Thema beherrscht die Zeitungen, das Internet und die Radiosender - und damit die Menschen. Der Suchmaschinenriese Google hat angekündigt, seinen digitalen, dreidimensionalen Stadtplan Street View für Deutschlands Großstädte noch in diesem Jahr zu starten. Statt Begeisterung über die neuen Möglichkeiten, die dieses Programm mit sich bringt, hört und liest man jedoch nur vom Entsetzen der Bevölkerung, die mit Schrecken der Veröffentlichung ihrer Privatsphäre harrt. Ich kann die Gerüchte und Behauptungen, die Nachrichten und Politik zu diesem Thema in die Welt hinaus posaunen so langsam nicht mehr hören. Aus diesem Grunde habe ich anbei vier einfache Fakten zu Street View aufgelistet. Vielleicht hilft es ja dabei, dem ein oder anderen verständlich zu machen, was da wirklich passiert.

1. Google Street View sendet keine Live-Bilder!
Immer wieder stößt man auf das Argument, man würde durch Street View qausi dauerhaft überwacht, sei jederzeit im Internet zu sehen. Das Blatt mit den vier großen Buchstaben erfindet gar eine mögliche Gefahr durch Pädophile, die "spielende Kinder im Vorgarten" beobachten können. Das ist ausgemachter Blödsinn. Street View ist eine Momentaufnahme. Ein Kamerawagen hat ein einmaliges Foto aufgenommen. Eine Momentaufnahme. Diese ist im Internet zu sehen. Die Bilder sind oftmals mehr als ein Jahr alt, mit jedem Tag mehr werden sie älter. Durch ein derartiges Foto wird niemand dauerhaft ausspioniert oder überwacht. In 99% aller Fälle ist ein Garten oder eine Hausfassade zu sehen - ob der Baum auf dem Bild heute noch steht oder das Haus nach wie vor grün gestrichen ist, weiß niemand. Ein Paradebeispiel ist hier auch eine andere Funktion aus Google Maps, der Basis für Street View. Hier kann man sich Satellitenbilder der Gegend anschauen. Mein Elternhaus steht dort noch auf der grünen Wiese, mittlerweile gibt es dort eine ganze Siedlung. Unser aktuelles Wohnhaus war zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht einmal gebaut. An der Stelle ist nur eine große Baustelle zu sehen. Natürlich ändern Straßenzüge nicht alle paar Jahre ihr Gesicht. Deshalb lässt sich Street View auch hervorragend dafür nutzen, die Umgebung um das Urlaubshotel virtuell zu erkunden oder sich eine Wegstrecke vorher einmal etwas genauer anzuschauen. Dem vielzitierten Einbrecher bringt der Dienst aber rein gar nichts. Die bösen Jungs kommen weiterhin nicht drum herum, am Objekt ihrer Begierde tatsächlich mal vorbeizufahren.

2. Google Street View kann nicht durch Wände sehen!
Gerne wird von Kritikern über "den Blick ins Schlafzimmer" schwadroniert. Auch hier gilt: Blödsinn! Die Kamerawagen schießen ein Foto von der Straße aus. Auf den Bildern ist nichts zu sehen, was ein vorbeifahrender oder -laufender Passant nicht auch erkennen könnte.

3. Google Street View zeigt mein Gesicht, Autokennzeichen oder Türschild!
Nein. Unsere Politiker fordern zwar tapfer, dass Gesichter und Autokennzeichen in dem Dienst anonymisiert werden müssten (an Tür- oder Klingelschilder hat man offenbar noch gar nicht gedacht), beweisen damit aber nur, dass sie Street View nie selbst getestet haben. Gesichter und (in Europa) auch Autokennzeichen werden - genauso wie Tür- und Klingelschilder sofern erkennbar - unkenntlich gemacht. Google arbeitet dabei ausgesprochen gründlich.

4. Ich kann der Veröffentlichung bei Street View nur 4 Wochen widersprechen!
Dieses Gerücht geistert sein ein paar Tagen durch die Medien - und ist ausgemachter Blödsinn. Google räumt - übrigens nur speziell für Deutschland - die Möglichkeit ein, der unbearbeiteten Veröffentlichung eines Fotos, auf dem das eigene Haus oder die eigene Wohnung zu sehen ist, vor dem Start des Dienstes zu widersprechen. Wer also in den vier Wochen entsprechenden Widerspruch einreicht, dessen Haus ist bereits zum Start von Street View weichgezeichnet - also schwer zu erkennen. Völlig aus dem Dienst verschwindet man damit aber nicht. Ist Street View erst einmal gestartet, hat man jederzeit die Möglichkeit, sein Gebäude nachträglich unkenntlich machen zu lassen. Wie das funktioniert, erklärt Google selbst.

Wer genaueres zu Googles Vorgehensweise in Sachen Datenschutz wissen möchte, kann sich hier umfassend informieren. Dort ist auch erklärt, wie man vorab widersprechen kann.

Aus meiner persönlichen Sicht heraus, hat die Diskussion um Google Street View zwei einfache Gründe. Die Medien sind dankbar dafür, das Sommerloch füllen zu können (für Krokodile in Badeseen war es dieses Mal wohl das falsche Wetter) und unsere Politiker sind froh darüber, von ihren eigenen Themen mal ablenken zu können. Da werden Presse und Volk mit Google Street View bedient und Themen wie das SWIFT Abkommen, der neue Personalausweis ePerso, die DEmail oder auch die Volkszählung ZENSUS 2011 fallen dabei völlig unter den Tisch. Dabei wäre ein Aufschrei bei diesen Themen um so viel dringender.

Update
An dieser Stelle noch der Hinweis auf den äußerst lesenswerten Artikel Pro Google Street View von Anatol Stefanowitsch: "Die Straße gehört uns allen."

Kommentare (3) Trackbacks (1)
  1. Sehr schoener Artikel, du sprichst mir aus der Seele.

  2. Kann ich nur unterschreiben, schöne Zusammenfassung!

  3. Ich stimm dir da auch vollkommen zu. Ich denke auch das es am Sommerloch liegt, siehe die Schweinegrippe im lezten Jahr.


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